Nebel und das Wetter
Steigt der Nebel auf, kommt Regen; schmilzt ihn die Sonne vorher weg, hat er wenig zu bedeuten: So steht es in einer Sarner Handschrift aus dem 18. Jahrhundert. Am Ägerisee, in Basel-Land und in Oldenburg las man den Nebel ganz ähnlich.
Was es bedeuten kann
Nebel selbst sagte den alten Beobachtern wenig, entscheidend war seine Bewegung: Steigt er, sinkt er, löst er sich auf oder bleibt er hängen? Ein Schreiber in Sarnen riet im 18. Jahrhundert ausdrücklich, auf alles andere ringsum zu achten und erst daraus eine vernünftige Vermutung zu ziehen. Das ist ein kluger Rat für viele unklare Lagen: nicht am ersten Eindruck hängen bleiben, sondern beobachten, wohin sich etwas entwickelt. In Zug und in Oldenburg hatte man dafür eigene Bilder, vom „versaufenden“ Nebel bis zum brauenden Fuchs.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Nebel steigt am Berg hinauf
Am Ägerisee im Kanton Zug hieß es um 1897: Steigt der Nebel schnell in die Lüfte, gibt es Regen. Lichtet er sich allmählich und schleicht am Studenberg entlang, wird es schön.
Nebel sinkt auf den Boden
Fällt der Morgennebel auf den Boden, wird es schön: So lautet eine Regel aus Basel-Land. Am Ägerisee galt umgekehrt: „Versäuft“ der Nebel im See, bleibt das Wetter lange schlecht.
Ein Kranz um die Berge
In Sarnen unterschied man im 18. Jahrhundert weiße, helle Nebel, die sich ringsum in halber Höhe der Berge festsetzten, von dicken, aschgrauen. Hatte das Land einen solchen „Krantz“, sollte das schöne Wetter halten; man nannte es „Nebel-Schohn“.
Weißer Nebel über der Wiese am Abend
Lag nach warmen Tagen abends dichter weißer Nebel über einer niedrigen Wiese, sprach man in Oldenburg von „de Hase brot“ oder „de Voß brot“: Der Hase oder der Fuchs braut. Das galt als Vorbote guten Wetters.
Warum es in der Natur passiert
Talnebel und Bodennebel bilden sich meist in klaren, windstillen Nächten, wenn der Boden Wärme abstrahlt und die Luft darüber so weit abkühlt, dass ihr Wasserdampf kondensiert. Solche Nebel sind ein Merkmal ruhiger Hochdrucklagen und lösen sich oft bis zum Vormittag auf. Im Winter können sie in Tälern tagelang liegen bleiben.
Was der Volksglaube sagt
Sarnen (Obwalden), 18. Jh.
Schmilzt die Sonne den Nebel, bevor er aufsteigen kann, hat er wenig zu bedeuten; steigt er aber auf, ist Regen fast gewiss. Man solle zugleich auf andere Zeichen achten.
Quelle: A. Küchler (Hrsg.), Volkstümliche Notizen, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 4 (1900), S. 35. Seite ansehen
Sarnen (Obwalden), 18. Jh.
Setzen sich weiße, helle Nebel ringsum in halber Höhe der Berge fest, hat das Land einen „Krantz“, und das schöne Wetter hält.
Quelle: A. Küchler (Hrsg.), Volkstümliche Notizen, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 4 (1900), S. 35. Seite ansehen
Ägerisee (Kanton Zug), 1897
Steigt der Nebel auf dem Ägerisee schnell auf, gibt es Regen; schleicht er am Studenberg entlang, wird es schön; „versäuft“ er im See, bleibt es lange schlecht.
Quelle: A. Ithen, Volkstümliches aus dem Kanton Zug, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 1 (1897), S. 119–120. Seite ansehen
Basel-Land, 1908
Wenn der Morgennebel auf den Boden fällt, wird das Wetter schön.
Quelle: A. Müller (Sammler), Aus dem Volksmund und Volksglauben des Kantons Basel-Land, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 12 (1908), S. 20, Nr. 93. Seite ansehen
Oldenburg, 1867
Liegt nach warmen Tagen abends dichter weißer Nebel über niedrigem Wiesengrund, sagt man „de Hase brot“ oder „de Voß brot“; das verheißt gutes Wetter.
Quelle: Ludwig Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogthum Oldenburg, Bd. 2 (1867), Bd. 2, S. 65, § 338. Seite ansehen
Steiermark, 1897
„Nebel vor Sonnenschein kann den Bauer g’freun.“
Quelle: Franz Ilwof, Zur Volkskunde der Steiermark, Zeitschrift für österreichische Volkskunde, Jg. 3 (1897), S. 45. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Woran merkst du bei einer unklaren Lage, in welche Richtung sie sich bewegt?