Everyday Omens

Es klopft, aber niemand ist da

Ein Klopfen, auf das niemand folgt, galt in Bern, Schwaben und Oldenburg als Vorbote eines Todesfalls. Auf dem Heuberg in Schwaben nannte man es um 1852 „Verzeigen“: Ein Sterbender gebe so seinen Angehörigen in der Ferne ein Zeichen.

Was es bedeuten kann

Das Bemerkenswerte an den alten Berichten ist weniger die Angst als die Verbindung, die sie voraussetzen: Wer stirbt, so glaubte man auf dem Heuberg, meldet sich bei den Seinen, auch wenn sie weit weg wohnen. Das Klopfen war also ein Gruß über die Entfernung hinweg. Heute erklärt man es eher mit Holz oder Wind, und doch kann der Moment, in dem man lauscht, eine Frage auslösen: An wen denke ich gerade, und wann habe ich zuletzt von mir hören lassen? Ob ein Pochen als Vorbote galt oder als harmlos, hing von Bern bis Oldenburg vom Ort und von der Stunde ab.

Je nachdem, wie du es erlebt hast

Am Fenster oder an der Wohnungstür

Klopft es an Tür oder Fenster und steht niemand draußen, stirbt bald jemand in diesem Hause: So lautet eine Berner Notiz von 1904. Heute steckt hinter einem Klopfen am Fenster öfter ein Ast, ein Vogel oder der Wind.

In der Tischkante

In Sauggart in Oberschwaben glaubte man um 1861, ein Klopfen, das von innen aus einer Tischecke kommt, kündige einen Tod an. Tische und Schränke aus Massivholz geben bei wechselnder Luftfeuchtigkeit tatsächlich hin und wieder Laute von sich.

In der Wand oder am Bett

In Oldenburg zählte man um 1867 das Knarren von Tischen und Stühlen und ein Klopfen in der Wand oder am Bett zu den Vorzeichen eines nahen Todesfalls. Gemeint waren Geräusche ohne erkennbare Ursache im eigenen Haus.

Poltern auf dem Dachboden

In Westfalen erzählte man um 1859 von Menschen, die vor einem Todesfall auf dem Boden Bretter herabwerfen hörten. Mit dem Boden war der Dachboden über den Wohnräumen gemeint.

Hast du von einem Klopfen geträumt?Die Bedeutung im Traum, auf Night Symbols

Warum es in der Natur passiert

Holz „arbeitet“: Sinkt die Luftfeuchtigkeit, etwa wenn abends geheizt wird, gibt das Holz Feuchtigkeit ab und schwindet; steigt sie, quillt es wieder. Dabei können Dielen, Möbel und Balken mit einem kurzen Knacken oder Pochen nachgeben. In der Stille der Nacht fallen solche Laute besonders auf.

Was der Volksglaube sagt

Bern, 1904

Wird an Tür oder Fenster geklopft und steht niemand draußen, so stirbt bald jemand in diesem Hause.

Quelle: G. Züricher und M. Reinhard (Sammler), Allerhand Aberglauben aus dem Kanton Bern, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 8 (1904), S. 272, Nr. 79. Seite ansehen

Heuberg (Schwaben), 1852

Bevor jemand stirbt, erhalten die Angehörigen, auch in der Ferne, ein Vorzeichen, etwa ein dreimaliges Klopfen, ohne dass jemand zu sehen ist. Man nannte das „Verzeigen“: Der Sterbende gebe sich so zu erkennen.

Quelle: Ernst Meier, Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben (1852), S. 488, Nr. 285. Seite ansehen

Sauggart (Schwaben), 1861

Hört man an einer Tischecke von innen heraus klopfen, so bedeutet es Tod.

Quelle: Anton Birlinger und Michel Richard Buck, Volksthümliches aus Schwaben, Bd. 1 (1861), S. 474, Nr. 700/9. Seite ansehen

Oldenburg, 1867

Wenn Tische und Stühle knarren oder es in der Wand oder am Bett klopft, wird bald jemand sterben.

Quelle: Ludwig Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogthum Oldenburg, Bd. 1 (1867), Bd. 1, S. 35, § 29. Seite ansehen

Büren (Westfalen), 1859

Steht ein Todesfall bevor, hört man Bretter vom Dachboden werfen und dergleichen mehr.

Quelle: Adalbert Kuhn, Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen, Th. 2 (1859), Th. 2, S. 56, Nr. 161. Seite ansehen

Zum Nachdenken

Gibt es jemanden in der Ferne, bei dem du dich schon länger melden wolltest?