Tür geht von selbst auf
Sprang eine Tür von selbst auf und fiel wieder zu, sollte das um 1900 in Süddeutschland und Oldenburg einen Todesfall im Haus anzeigen. Dahinter steckt fast immer ein Luftzug, ein Schloss, das nicht greift, oder eine Tür, die schief hängt.
Was es bedeuten kann
Eine Tür, die sich ohne Hand öffnet, rührt an ein altes Gefühl: Das Haus ist nicht ganz so geschlossen, wie man dachte. Früher füllte man diese Lücke mit dunklen Ahnungen, heute eher mit Zugluft. Doch der Schreck kann eine nützliche Frage wecken: Was lässt du gerade herein, ohne es bewusst zu wollen, und wo möchtest du klarer bestimmen, wer und was kommt? Süddeutschland und Oldenburg sahen um 1900 einen Todesfall darin, Horgen ein Zeichen am Krankenbett, und im damaligen Böhmen verhieß eine zufallende Tür eine Hochzeit; was eine Tür dir heute sagt, entscheidest du selbst.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Sie springt auf und fällt wieder zu
Um 1900 verzeichnete man für Süddeutschland und Oldenburg: Springt eine Tür von selbst auf und schließt sich wieder, stirbt jemand im Haus. Dafür genügt oft schon, dass in einem anderen Raum ein Fenster geöffnet wird und sich der Luftdruck verschiebt.
Dreimal hintereinander
In Horgen am Zürichsee galt es um 1858 als Todesvorzeichen, wenn eine Tür dreimal von selbst aufging, während jemand im Haus krank lag. Am Bett eines Kranken nimmt man nachts ohnehin jedes Knarren deutlicher wahr.
Eine Tür fällt hinter jemandem zu
Nicht jede Tür war düster: Aus dem damaligen Böhmen ist um 1900 überliefert: Schlägt hinter einem Mädchen die Tür zu, wird es bald heiraten. Der Luftzug war derselbe, die Erwartung eine ganz andere.
Die Tür, die man nicht öffnete
Aus Palu im Trentino berichtet Zingerle um 1870: Öffnete man bei einem Todesfall die Tür nicht, ging sie von selbst auf. Hier war die aufgehende Tür also kein Vorzeichen, sondern eine Folge.
Warum es in der Natur passiert
Türen bewegen sich durch Druckunterschiede, etwa wenn Wind gegen das Haus drückt oder in einem anderen Raum ein Fenster aufgeht. Greift die Falle im Schloss nicht richtig, weil sich Holz bei Feuchtigkeit verzieht, genügt ein leichter Stoß. Hängt die Tür nicht genau senkrecht, schwingt sie durch ihr eigenes Gewicht auf oder zu.
Was der Volksglaube sagt
Süddeutschland und Oldenburg, um 1900
Es stirbt jemand im Haus, wenn eine Tür von selbst aufspringt und sich wieder schließt.
Quelle: Adolf Wuttke, bearb. von Elard Hugo Meyer, Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart, 3. Aufl. (1900), S. 212, § 297. Seite ansehen
Horgen (Zürich), 1857–1859
Geht die Tür dreimal von selbst auf, während jemand krank ist, gilt das als Todesvorzeichen.
Quelle: Paul Hirzel (Sammler), Aberglauben im Kanton Zürich, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 2 (1898), S. 217, Nr. 10. Seite ansehen
damaliges Böhmen, um 1900
Schlägt hinter einem Mädchen die Tür zu, wird es bald heiraten.
Quelle: Adolf Wuttke, bearb. von Elard Hugo Meyer, Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart, 3. Aufl. (1900), S. 212, § 296. Seite ansehen
Palu (Trentino), um 1870
Öffnet man bei einem Todesfall Tür oder Fenster nicht, öffnet sich die Tür von selbst.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 49, Nr. 425 (zweiter Satz). Seite ansehen
Zum Nachdenken
Was lässt du in deinen Alltag herein, ohne bewusst darüber entschieden zu haben?