Everyday Omens

Fenster öffnen, wenn jemand stirbt

Ist jemand gestorben, öffnet man das Fenster, damit die Seele hinauskann: Dieser Brauch war um 1880 in Mecklenburg allgemein und um 1870 auch in Palu im Trentino bekannt. Im Erzgebirge wedelte man dazu mit Tüchern.

Was es bedeuten kann

Das Fenster zu öffnen ist eine der stillsten Gesten, die es beim Abschied gibt. Sie verlangt nur einen Handgriff und gibt doch dem Gefühl eine Form, dass jemand geht. Wer einen Menschen verloren hat, kann darin eine Möglichkeit finden, diesen Augenblick zu markieren, ohne nach Worten suchen zu müssen. Ob man dabei an eine Seele denkt oder einfach Luft und Licht hereinlässt, hängt von Glauben und Familie ab; Mecklenburg, Palu im Trentino und das Erzgebirge erklärten es jeweils mit eigenen Worten.

Je nachdem, wie du es erlebt hast

Mit Tüchern wedeln

Im Obererzgebirge war es allgemein üblich, bei einem Todesfall die Fenster aufzumachen und mit Tüchern zu wedeln, damit die Seele hinauskönne. Danach wurde das Zimmer still hergerichtet, und das Leben im Haus richtete sich nach dem Abschied.

Tür oder Fenster

In Palu im Trentino genügte auch die Tür: Wenn jemand stirbt, muss man Tür oder Fenster öffnen, damit die Seele hinausgehen kann. Wichtig war der offene Weg, nicht die Art der Öffnung.

Damit sie herausfliegen kann

In Hohenschwarfs in Mecklenburg hieß es, das Fenster werde geöffnet, damit die Seele herausfliegen könne. Hier dachte man sich die Seele als etwas Leichtes, das nur einen offenen Weg braucht.

Ein Druck aus Kempten

Schon 1806 stand in einem in Kempten gedruckten „Wunderbüchlein“: Man muss die Fenster öffnen, damit die Seele hinauskann. Abgedruckt ist der Satz im zweiten Band von Friedrich Panzers „Bayerische Sagen und Bräuche“, der 1855 nach dem Tod des Sammlers erschien.

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Warum es in der Natur passiert

Früher starben die meisten Menschen zu Hause und blieben dort bis zur Beerdigung aufgebahrt. Ein geöffnetes Fenster brachte frische, kühle Luft in den Raum, in dem Angehörige wachten und Nachbarn Abschied nahmen. Der Brauch verbindet so eine praktische Notwendigkeit mit einer stillen, sichtbaren Geste.

Was der Volksglaube sagt

Mecklenburg, um 1880

Sobald jemand gestorben ist, wird das Fenster geöffnet.

Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 90, Nr. 280. Seite ansehen

Hohenschwarfs (Mecklenburg), um 1880

Das Fenster wird geöffnet, damit die Seele herausfliegen kann.

Quelle: Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Bd. 2 (1880), Bd. 2, S. 90, Nr. 280, Anm. 1. Seite ansehen

Palu (Trentino), um 1870

Wenn jemand stirbt, muss man die Tür oder das Fenster öffnen, damit die Seele hinausgehen kann.

Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 49, Nr. 425 (erster Satz). Seite ansehen

Obererzgebirge, 1862

Ist jemand verschieden, öffnet man die Fenster und wedelt mit Tüchern, damit die Seele hinauskann.

Quelle: Moritz Spieß, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges (1862), S. 38, Nr. 536 (erster Satz). Seite ansehen

„Wunderbüchlein“, Kempten 1806

Man muss die Fenster öffnen, damit die Seele hinauskann.

Quelle: Friedrich Panzer, Bayerische Sagen und Bräuche, Bd. 2 (Auszug aus dem „Wunderbüchlein“, Kempten 1806) (1855), S. 293. Seite ansehen

Zum Nachdenken

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