Geweihte Palmbuschen bei Gewitter
Bei heftigen Gewittern wirft man Stücke der geweihten Palmzweige ins Herdfeuer: So beschrieb Franz Ilwof 1897 den Brauch in der Steiermark. Auch am Semmering, in Sargans und in Westfalen sollten die Zweige Haus und Vieh behüten.
Was es bedeuten kann
Der Palmbuschen verbindet den Frühling mit dem ganzen Jahr: Gebunden und gesegnet wird er am Palmsonntag, gebraucht wurde er im Sommer, wenn Gewitter über die Höfe zogen. Für viele Familien war er ein Stück Halt, das man in die Hand nehmen konnte, während man gegen das Unwetter draußen machtlos war. Für gläubige Menschen hat die Segnung bis heute eine eigene Bedeutung. Aber auch ohne diesen Glauben lässt sich der Brauch verstehen: Es hilft, für bange Momente etwas Vertrautes bereitzuhaben. Im Sarganserland, am Semmering und in der Steiermark ging man dabei eigene Wege, vom Herdfeuer bis zur Haustür.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Ein paar Kätzchen ins Feuer
Am Semmering nahm man um 1896 bei einem schweren Gewitter drei Palmkätzchen aus dem geweihten Buschen und verbrannte sie. In der Steiermark warf man 1897 Stücke der Zweige ins Herdfeuer und zündete dazu eine geweihte Kerze an.
Hinter dem Heiligenbild
Zwischen den Gewittern blieb der Palmbuschen im Haus: In der Steiermark steckte man die geweihten Zweige um 1897 gewöhnlich hinter ein Heiligenbild oder den Spiegel.
Vor die Haustür geworfen
Im Sarganserland warfen Frauen um 1906 bei starken Gewittern geweihte Stechpalmenzweige vor die Tür; das sollte das Wetter abschwächen. Die Zweige hingen sonst in Stuben und Ställen.
Auf dem Bienenkorb
In Ostendorf an der Lippe steckte man um 1859 geweihten Buchsbaum in die Stuben, auf die Bienenkörbe und ins Flachsfeld, damit ihnen kein Schaden geschehe.
Warum es in der Natur passiert
Ein Palmbuschen wird traditionell aus mehreren Pflanzen gebunden, etwa Palmkätzchen der Sal-Weide, Buchsbaum, Wacholder, Stechpalme oder Eibe, und am Palmsonntag in der Kirche gesegnet. Daheim steckt man die Zweige bis heute oft hinter das Wandkreuz. Wie er aussieht, unterscheidet sich von Region zu Region.
Was der Volksglaube sagt
Steiermark, 1897
Bei heftigen Gewittern werden einzelne Stücke der am Palmsonntag geweihten Zweige ins Herdfeuer geworfen, um den Blitzstrahl vom Hause abzuhalten.
Quelle: Franz Ilwof, Zur Volkskunde der Steiermark, Zeitschrift für österreichische Volkskunde, Jg. 3 (1897), S. 11. Seite ansehen
Semmeringgebiet, 1896
Ein geweihter Polmbuschn wird in die Dachsparren gesteckt, damit er Feuer- und Blitzgefahr abwende; drei Kätzchen daraus verbrennt man bei einem schweren Gewitter.
Quelle: Heinrich Moses, Das festliche Jahr im Semmeringgebiete, Zeitschrift für österreichische Volkskunde, Jg. 2 (1896), S. 193. Seite ansehen
Sargans, 1906
Bei starken Gewittern werfen die Frauen geweihte Palmzweige vor die Tür, was das Gewitter abschwächen und schadlos machen soll.
Quelle: A. Zindel-Kressig, Volkstümliches aus Sargans, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 10 (1906), S. 225. Seite ansehen
Ostendorf an der Lippe, 1859
In Stuben, auf Bienenkörbe und ins Flachsfeld steckt man geweihten Buchsbaum, dann kann ihnen kein Schaden geschehen.
Quelle: Adalbert Kuhn, Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen, Th. 2 (1859), Th. 2, S. 145, Nr. 418. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Was hast du für bange Momente bereit, das dir Halt gibt?