Everyday Omens

Wenn man vom Teufel spricht

„Wenn man vom Teufel spricht, so kommt er“: Diese Redensart verzeichnete Wanders Sprichwörter-Lexikon im 19. Jahrhundert. In Bern und Basel-Land sagte man ebenso gern: Wenn man vom Wolf redet, kommt er.

Was es bedeuten kann

Der Moment ist vielen vertraut: Man spricht über jemanden, und genau dann steht er in der Tür. Es folgt ein ertapptes Lachen, manchmal auch ein kurzer Schreck darüber, was er wohl gehört hat. Die Redensart ist deshalb weniger ein Omen als ein freundlicher Spiegel für das eigene Reden über Abwesende. Eine gute Probe ist die Frage, ob man das Gesagte auch dann noch so formulieren würde, wenn die Person plötzlich dabei wäre. Im Saterland machte man daraus sogar einen höflichen Gruß, anderswo fiel der Spruch deutlich derber aus.

Je nachdem, wie du es erlebt hast

Er steht schon in der Tür

Trat jemand herein, über den gerade gesprochen wurde, begrüßte man ihn im Saterland um 1867 mit „du best noch nit fege“ („du bist dem Tod noch nicht geweiht“), also: Du wirst noch lange leben. Anderswo in Oldenburg sagte man weniger höflich: „Wenn man vom Teufel spricht, ist er dicht dabei.“

Vom Wolf statt vom Teufel

In Berner Mundart hieß es 1903: „We me vom Wolf redt, so chunt er.“ In Basel-Land kannte man 1908 fast dieselben Worte: „Wenn me vom Wolf schwätzt, so chunnt er.“ Der Wolf stand hier für jemanden, den man lieber nicht herbeigerufen hätte.

Den Teufel an die Wand malen

Eng verwandt ist die Mahnung, den Teufel nicht an die Wand zu malen. In Bern hieß es um 1903: „We me der Tüfel a d’Wand malt, so chunt er“: Wer das Schlimmste ausmalt, ruft es herbei.

Hast du vom Teufel geträumt?Die Bedeutung im Traum, auf Night Symbols

Warum es in der Natur passiert

Gesprochen wird vor allem über Menschen, die im Alltag ohnehin nah sind: Kolleginnen, Nachbarn, Familie. Dass einer von ihnen gerade dann auftaucht, ist weniger erstaunlich, als es wirkt. Im Gedächtnis bleiben die Treffer, die vielen Gespräche ohne Auftritt vergisst man schnell.

Was der Volksglaube sagt

deutsches Sprichwort, 1876

Wenn man vom Teufel spricht, so kommt er.

Quelle: Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.), Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Bd. 4 (1876), Bd. 4, Teufel Nr. 930. Seite ansehen

Saterland (Oldenburg), 1867

Wenn man von einem Abwesenden spricht und dieser unvermutet hereintritt, begrüßt man ihn: „du best noch nit fege“; anderswo sagt man: „wenn man van’n Düwel spreckt, so is he dichte bi.“

Quelle: Ludwig Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogthum Oldenburg, Bd. 1 (1867), Bd. 1, S. 29, § 17. Seite ansehen

Bern, 1903

„We me der Tüfel a d’Wand malt, so chunt er“, und „We me vom Wolf redt, so chunt er.“

Quelle: G. Züricher und M. Reinhard (Sammler), Allerhand Aberglauben aus dem Kanton Bern, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 7 (1903), S. 142, Nr. 136. Seite ansehen

Basel-Land, 1908

„Wenn me vom Wolf schwätzt, so chunnt er.“

Quelle: A. Müller (Sammler), Aus dem Volksmund und Volksglauben des Kantons Basel-Land, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 12 (1908), S. 26, Nr. 115. Seite ansehen

Zum Nachdenken

Würdest du über die Menschen, von denen du heute gesprochen hast, dasselbe sagen, wenn sie dabei wären?