Auf Holz klopfen
Wer seine Gesundheit oder sein Glück rühmt, soll danach „unberufen“ sagen und dreimal unter die Tischplatte klopfen: So verzeichnet es eine Berner Sammlung von 1903. In Oldenburg klopfte oder spuckte man um 1867 ebenfalls dreimal.
Was es bedeuten kann
Das Klopfen auf Holz gehört zu den Bräuchen, die viele Menschen ausführen, ohne daran zu glauben, halb im Scherz, halb aus Vorsicht. Dahinter steht ein alter Gedanke: Wer sein Glück zu laut rühmt, fordert es heraus. In Oldenburg hieß es knapp: Wenn man sein Glück rühmt, ist es bald vorbei. Das Klopfen ist so gesehen eine kleine Geste der Bescheidenheit: Man freut sich, erkennt aber an, dass nichts selbstverständlich ist. Bern, Oldenburg und Nordthüringen kannten dafür dasselbe Wort: „unberufen“.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Unter die Tischplatte
In Bern klopfte man 1903 nicht auf, sondern unter die Tischplatte, dreimal, und sagte dazu „unberufen“. Anlass war jedes Rühmen, ob Gesundheit oder Glück.
Klopfen oder ausspucken
In Oldenburg hatte man um 1867 die Wahl: dreimal an den Tisch klopfen oder dreimal andeutungsweise spucken und „unberufen!“ sagen. Ein Beitrag aus Gmunden in Oberösterreich beschrieb 1895, dass man beim Loben eines gesunden Aussehens ausspuckt und oft „unberufen“ hinzufügt.
Nach einem Lob für ein Baby
In Nordthüringen hörten Eltern es um 1903 nicht gern, wenn Besuch das Aussehen ihres Kindes lobte, es sei denn, man fügte „Unberufen“ oder „Helf Gott“ hinzu.
Warum es in der Natur passiert
In fünf Versuchen der University of Chicago um Jane Risen (2013) schätzten Menschen, die nach einer Bemerkung, die das Schicksal herausfordert, auf Holz klopften oder einen Ball von sich warfen, ein Unglück als weniger wahrscheinlich ein als jene, die den Ball festhielten. Offenbar wirkt die Bewegung vom eigenen Körper weg beruhigend, wie beim Klopfen, Spucken oder Salzwerfen.
Was der Volksglaube sagt
Bern, 1903
Wenn man etwas rühmt, seine Gesundheit, sein Glück, soll man nachher immer „unberufen“ sagen und dazu dreimal auf die untere Seite der Tischplatte klopfen.
Quelle: G. Züricher und M. Reinhard (Sammler), Allerhand Aberglauben aus dem Kanton Bern, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 7 (1903), S. 139, Nr. 99. Seite ansehen
Oldenburg, 1867
Wenn man sein Glück rühmt, ist es bald vorbei; sagt man doch, es sei einem lange gut gegangen, klopft man dreimal an den Tisch oder spuckt dreimal und sagt „unberufen!“
Quelle: Ludwig Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogthum Oldenburg, Bd. 1 (1867), Bd. 1, S. 43, § 37. Seite ansehen
Beitrag aus Gmunden, 1895
Man spuckt aus, wenn man das blühende Aussehen eines anderen rühmt, und fügt dem Ausspucken häufig das Wort „unberufen“ hinzu.
Quelle: Prälat Dr. Franz (Gmunden), Sprechsaal: Das Anspucken des Geldes, Zeitschrift für österreichische Volkskunde, Jg. 1 (1895), S. 288. Seite ansehen
Nordthüringen, 1903
Lobt Besuch das Aussehen eines Kindes, hören es die Eltern nicht gern, oder man muss „Unberufen“ oder „Helf Gott“ hinzufügen.
Quelle: R. Reichhardt, Volksbräuche aus Nordthüringen, Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Jg. 13 (1903), S. 384. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Worüber freust du dich gerade, ohne es für selbstverständlich zu halten?