Wer am Neujahrsmorgen zuerst kommt
Am Neujahrstag legt der Landmann großes Gewicht auf die erste Begegnung: So schrieb Johann Krainz 1896 über die Steiermark. Ein Junge oder ein kleines Mädchen versprach dort Glück und Segen, ein Pferd Reichtum.
Was es bedeuten kann
Am ersten Morgen des Jahres scheint alles noch offen, und so bekam der erste Mensch, der zur Tür hereinkam, eine besondere Rolle. Am häufigsten wünschte man sich ein Kind, als würde mit ihm etwas Frisches ins Haus kommen. Der Gedanke lässt sich umdrehen: Statt abzuwarten, wer kommt, kann man selbst jemand sein, der am Neujahrsmorgen Gutes mitbringt, einen Gruß, einen Anruf, ein offenes Ohr. Die Steiermark, Schwaben und Bayern legten Wert auf den ersten Gast, Zug machte aus dem frühen Aufstehen ein Spiel.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Kinder an der Tür
In der Steiermark versprachen um 1896 ein Junge oder ein kleines Mädchen als erste Begegnung am Neujahrstag Glück und Segen, ein Pferd Reichtum, eine Katze dagegen Unglück. Auch Helene Raff fand 1898 in Bayern die Überzeugung, Kinder und junge Frauen brächten am Neujahrsmorgen Glück.
Der erste Besuch im Haus
Aus Mengen in Schwaben ist um 1861 überliefert: Wenn am ersten Tag des Jahres zuerst eine alte Frau ins Haus komme, gehe das Geschäft das ganze Jahr schlecht; ein Kind oder ein junges Mädchen verheiße Glück.
Der „Stubenfuchs“
Im Kanton Zug hieß um 1897, wer am Neujahrsmorgen die Stube zuerst betrat, „Stubenfuchs“. Wer verschlief, war das „Neujahrskälbli“ und bekam zum Spott Milch in einem Kälberkübel vorgesetzt.
Warum es in der Natur passiert
In Schottland und Nordengland ist der Brauch als „First-footing“ bekannt: Der erste Gast nach Mitternacht soll Glück bringen und bringt traditionell kleine Gaben wie Kohle, Salz oder Gebäck mit. Dass der erste Eindruck eines neuen Jahres besonders zählt, ist ein Gedanke, den viele Neujahrsbräuche teilen, vom Neujahrsgruß bis zum ersten Schritt aus dem Haus.
Was der Volksglaube sagt
Steiermark, 1896
Großes Gewicht legt der Landmann am Neujahrstag auf die erste Begegnung: Ein Knabe oder ein kleines Mädchen zeigen Glück und Segen an, ein Pferd Reichtum, eine Katze dagegen Unglück.
Quelle: Johann Krainz, Sitten, Bräuche und Meinungen des deutschen Volkes in Steiermark III, Zeitschrift für österreichische Volkskunde, Jg. 2 (1896), S. 301. Seite ansehen
Mengen (Schwaben), 1861
Kommt am ersten Tag des Jahres zuerst ein altes Weib ins Haus, geht das Geschäft das ganze Jahr hindurch schlecht; ein Kind oder eine Jungfrau bedeutet Glück.
Quelle: Anton Birlinger und Michel Richard Buck, Volksthümliches aus Schwaben, Bd. 1 (1861), S. 469, Nr. 696/6. Seite ansehen
Bayern, 1898
Am Neujahrsmorgen muss man achtgeben, wem man zuerst begegnet: Kinder und junge Frauen bringen Glück.
Quelle: Helene Raff, Aberglauben in Bayern, Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Jg. 8 (1898), S. 400. Seite ansehen
Oldenburg, 1867
Begegnet einem am Neujahrstag zuerst eine alte Frau, folgt daraus Unglück für das ganze Jahr.
Quelle: Ludwig Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogthum Oldenburg, Bd. 1 (1867), Bd. 1, S. 28, § 16. Seite ansehen
Kanton Zug, 1897
Wer am Neujahrsmorgen die Stube zuerst betritt, heißt „Stubenfuchs“, wer verschläft, „Neujahrskälbli“.
Quelle: A. Ithen, Volkstümliches aus dem Kanton Zug, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 1 (1897), S. 65. Seite ansehen
Zum Nachdenken
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