Eine Katze töten
Wer eine Katze totschlägt, gewinnt keinen Prozess: Diesen Spruch druckte 1791 eine Mecklenburger Monatsschrift. In Bayern, Brandenburg und Thüringen galt die Hauskatze ebenfalls als Glücksbringerin, die man nicht verletzen durfte.
Was es bedeuten kann
Die alten Sprüche über das Töten einer Katze sind im Kern Schutzregeln: Sie verbinden das Wohl eines Tieres mit dem Glück des ganzen Haushalts. Wer der Katze schadet, so die Logik, schadet sich selbst. Das ist eine Haltung, die auch ohne Aberglauben trägt, denn wie man mit den Schwächsten im eigenen Umfeld umgeht, sagt viel über ein Zuhause. Wenn dich das Thema gerade beschäftigt, etwa nach einem Unfall mit einem Tier, darf Betroffenheit einfach da sein. Die Überlieferungen aus Mecklenburg, Bayern und Thüringen stellten die Katze unter den Schutz des Glücks.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Die schwarze Hauskatze
R. Reichhardt hörte um 1900 in Nordthüringen ausdrücklich, eine schwarze Katze dürfe man nicht töten, denn sie bringe dem Hause Glück. Anders als in vielen heutigen Vorstellungen war sie dort kein Unglückstier.
Die Katze verlässt das Haus
In der Ampergegend in Oberbayern sagte man 1898, Katzen brächten dem Haus und der Ehe Glück; wer eine Katze aus dem Haus ins Wasser trage, trage sein Glück aus dem Hause.
Ein Rechtsstreit steht an
Die Mecklenburger Monatsschrift von 1791 verknüpfte das Tier mit Gerichtssachen: Wer eine Katze totschlägt, gewinnt keinen Prozess. Wander nahm den Satz in sein Sprichwörter-Lexikon auf, gleich neben einem Spruch, nach dem Gott mit jedem ins Gericht geht, der eine Katze am Ohr zerrt.
Ein Unfall auf der Straße
Wer heute versehentlich eine Katze anfährt, erschrickt tief. Die alten Regeln meinten absichtliches Töten; ein Unglück ist kein Vergehen gegen das Glück des Hauses.
Warum es in der Natur passiert
Mit der Ausbreitung von Hausmaus, Haus- und Wanderratte wurden Katzen im Spätmittelalter als Jägerinnen von Vorratsschädlingen immer wichtiger, und ihre Zahl nahm stark zu. Auf Höfen mit Korn- und Mehlvorräten war eine gute Mäusefängerin deshalb wertvoll. Die Regel, eine Katze nicht zu töten, schützte also auch einen Nutzen.
Was der Volksglaube sagt
Mecklenburg, 1791
Wer eine Katze totschlägt, gewinnt keinen Prozess.
Quelle: Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.), Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Bd. 2 (1870), Bd. 2, Sp. 1194, Katze Nr. 582. Seite ansehen
Nordthüringen, 1900
Eine schwarze Katze darf man nicht töten, denn sie bringt dem Hause Glück.
Quelle: R. Reichhardt, Volksanschauungen über Tiere und Pflanzen in Nordthüringen, Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Jg. 10 (1900), S. 209. Seite ansehen
Ampergegend (Oberbayern), 1898
Katzen bringen dem Hause wie der Ehe Glück; wer eine Katze ins Wasser trägt, trägt sein Glück aus dem Hause.
Quelle: Helene Raff, Aberglauben in Bayern, Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Jg. 8 (1898), S. 399. Seite ansehen
Mark Brandenburg, 1891
Wer eine Katze ersäuft, verliert sein Glück.
Quelle: H. Prahn, Glaube und Brauch in der Mark Brandenburg, Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Jg. 1 (1891), S. 188. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Wie gehst du mit den Schwächsten in deinem Umfeld um, wenn niemand hinsieht?