Elster am Haus
Schrien Elstern im Hof oder auf dem Haus, erwartete man in Chemnitz um 1700 Gäste. Im Zürcher Oberland hörte man darin Streit, und in Oldenburg sollte man umkehren, wenn einem eine Elster über den Weg lief.
Was es bedeuten kann
Elstern sind laut, auffällig und mögen die Nähe von Häusern. Kein Wunder, dass man ihr Schackern als Nachricht verstand. Spannend ist, wie verschieden diese Nachricht ausfiel: Besuch, Streit unter Eheleuten, Pech auf der Jagd. Die Elster spiegelte sozusagen, worauf man im Haus gerade gefasst war. Wenn sie heute vor deinem Fenster lärmt, darfst du dabei an ein Gespräch denken, das zu Hause schon länger wartet. Von Chemnitz bis ins Lechtal bekam sie jedes Mal eine andere Rolle.
Je nachdem, wie du es erlebt hast
Elstern schreien vor dem Haus
Schreiende Elstern im Hof oder auf dem Haus kündigten um 1700 in Chemnitz Gäste an. Im Zürcher Oberland hörte man in ihrem „Klappern“ vor dem Haus dagegen Streit. Elstern schackern vor allem, wenn sie eine Katze oder einen Greifvogel entdeckt haben: Ihr Lärm ist eine Warnung an die Nachbarschaft.
Eine Elster läuft über den Weg
In Oldenburg hieß es um 1900: Läuft einem eine Elster über den Weg, soll man umkehren, denn der Weg fällt unglücklich aus. Elstern suchen viel am Boden nach Futter und hüpfen dabei über Wege und Rasen.
Elstern fliegen ums Haus
Im Tiroler Ranggen sagte man: Fliegen Elstern um ein Haus, herrscht Unfrieden zwischen den Eheleuten. Im Lechtal erwartete man einen unwillkommenen Besuch. Elsternpaare bleiben einander übrigens lange treu und bauen gemeinsam an ihrem überdachten Nest.
Elstern am Morgen eines Ausflugs
Sah ein Jäger in Ranggen beim Ausgehen Elstern, rechnete er mit einer schlechten Jagd. Wer heute spazieren geht, kann sich an ihrem Warnruf orientieren: Wo Elstern zetern, ist oft ein Fuchs oder eine Katze nicht weit.
Warum es in der Natur passiert
Elstern sind Rabenvögel und leben gern in Siedlungen, Parks und Gärten. Sie fressen fast alles, von Insekten bis zu Abfällen, und bauen hoch in Bäumen große, überdachte Nester. Ihr lautes Schackern dient der Warnung und dem Kontakt untereinander.
Was der Volksglaube sagt
Chemnitz, um 1700
Schreien die Elstern im Hof oder auf dem Haus, so kommen Gäste.
Quelle: Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, Anhang „Aberglaube“ (aus der Chemnitzer Rockenphilosophie) (1835), Anhang S. LXX, Nr. 73. Seite ansehen
Zürcher Oberland, 1857–1859
Wenn die Elstern vor dem Haus „klappern“, gibt es Streit; wo aber die Schwalben nisten, ist Frieden.
Quelle: Paul Hirzel (Sammler), Aberglauben im Kanton Zürich, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Jg. 2 (1898), S. 221, Nr. 69. Seite ansehen
Oldenburg, um 1900
Läuft einem eine Elster über den Weg, soll man umkehren, denn der Weg fällt unglücklich aus.
Quelle: Adolf Wuttke, bearb. von Elard Hugo Meyer, Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart, 3. Aufl. (1900), S. 202, § 275. Seite ansehen
Ranggen (Tirol), um 1870
Wenn Elstern um ein Haus fliegen, ist Unfrieden zwischen den Eheleuten.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 78, Nr. 655. Seite ansehen
Ranggen (Tirol), um 1870
Wenn ein Jäger beim Ausgehen Elstern sieht, hat er Unglück auf der Jagd.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 79, Nr. 657. Seite ansehen
Lechtal (Tirol), um 1870
Wenn Elstern um ein Haus fliegen und schreien, kommt ein unwillkommener Besuch.
Quelle: Ignaz Vinzenz Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen des Tiroler Volkes, 2. Aufl. (1871), S. 79, Nr. 659. Seite ansehen
Zum Nachdenken
Welches Gespräch ist bei dir zu Hause gerade fällig?