Everyday Omens

Mit einer Glückshaube geboren

Wer sein mit auf die Welt gebrachtes Kleidchen, die Glückshaube, aufhebt und bei sich trägt, dem gelingt alles: So steht es in einer Chemnitzer Liste um 1700. Auch in Oldenburg bewahrte man die „Krone“ eines Kindes um 1867 sorgfältig auf.

Was es bedeuten kann

„Mit einer Glückshaube geboren“ ist im Deutschen zur Redensart für Menschen geworden, denen das Glück zuzufallen scheint. Die alten Bräuche gingen damit aber erstaunlich sorgsam um: Die Haube wurde aufgehoben, mitgetragen, gehütet, denn mit ihrem Verlust, so hieß es, sei auch das Glück dahin. Darin steckt ein Gedanke, der über den Aberglauben hinausgeht: Glück ist nicht nur Zufall bei der Geburt, sondern auch etwas, auf das man achtgibt. Chemnitz und Oldenburg sahen in der Haube einen Schatz, den man nicht verlieren durfte.

Je nachdem, wie du es erlebt hast

Die Haube wird aufbewahrt

Strackerjans Oldenburger Sammlung von 1867 nennt die Haube auch „Helm“ oder „Krone“: Auf dem Kopf eines Neugeborenen gefunden, müsse sie sorgfältig verwahrt werden, weil sie dem Kind Glück bringe. Ginge sie verloren, sei auch das Glück dahin.

Ein Glücksbringer in der Tasche

Die Chemnitzer Liste um 1700 riet, die Glückshaube aufzuheben und bei sich zu tragen; dann gelinge alles. Sie wurde damit zu einem persönlichen Glücksbringer, ähnlich einem Kleeblatt.

Eine Redensart für Glückspilze

Heute sagt man „mit der Glückshaube geboren“ fast nur im übertragenen Sinn, ohne an die Geburt zu denken, ähnlich wie beim Sonntagskind.

Warum es in der Natur passiert

Als Glückshaube bezeichnet man Reste der Fruchtblase oder Eihaut, die bei der Geburt noch auf dem Kopf oder Gesicht des Kindes liegen. Das kommt selten vor. Weil es so ungewöhnlich ist, haben sich in vielen Ländern Erzählungen darum gebildet.

Was der Volksglaube sagt

Chemnitz, um 1700

Wer sein mit auf die Welt gebrachtes Kleidchen, die Glückshaube, aufhebt und bei sich trägt, dem gelingt alles.

Quelle: Jacob Grimm, Deutsche Mythologie, Anhang „Aberglaube“ (aus der Chemnitzer Rockenphilosophie) (1835), Anhang S. LXXVII, Nr. 260. Seite ansehen

Oldenburg, 1867

Manche Kinder haben bei der Geburt eine Haut, Helm oder Krone genannt, auf dem Kopf; diese Krone muss sorgfältig aufbewahrt werden, denn sie bringt dem Kind Glück, und mit ihrem Verlust ist das Glück dahin.

Quelle: Ludwig Strackerjan, Aberglaube und Sagen aus dem Herzogthum Oldenburg, Bd. 1 (1867), Bd. 1, S. 94, § 127. Seite ansehen

Zum Nachdenken

Auf welches Glück in deinem Leben möchtest du bewusster achtgeben?