Everyday Omens

Abends fegen

Nach Sonnenuntergang den Kehricht über die Schwelle zu tragen, war 1891 in Biesenthal in Brandenburg verpönt. In Melleck sagte man, wer alles zur Tür hinauskehre, kehre das Gute mit dem Bösen aus dem Haus.

Was es bedeuten kann

Hinter der Regel, abends keinen Schmutz vor die Tür zu kehren, steht ein Bild vom Haus als geschütztem Raum: Am Abend schließt man die Tür, und was drinnen ist, bleibt drinnen, auch das Glück. Eine Wirtin in Melleck fürchtete sogar, eine unordentliche Magd, die alles zur Tür hinauskehrte, könne ihr das Glück hinausfegen. Man muss das nicht glauben, um den Gedanken schön zu finden: Der Abend ist eine Zeit zum Sammeln, nicht zum Hinauswerfen. Biesenthal, Melleck und Fröhden kannten dafür jeweils eigene Regeln.

Je nachdem, wie du es erlebt hast

Den Kehricht über die Schwelle

In Biesenthal in Brandenburg sollte man um 1891 nach Sonnenuntergang keinen Kehricht mehr über die Türschwelle bringen. Gefegt werden durfte also, nur nicht hinaus.

Alles zur Tür hinaus

In Melleck erzählte man um 1901 von einer Wirtin, die ihre Magd entließ, weil sie alles mit dem Reisigbesen zur Tür hinauskehrte. Ordentliche Leute, hieß es, nähmen eine Schaufel und würfen den Schmutz bedachtsam zum Fenster hinaus.

Abends nichts aus dem Haus

In Fröhden in Brandenburg galt um 1899 Ähnliches für Dinge: Am Abend wurde nichts mehr verliehen oder verkauft.

In den Zwölf Nächten

In Wehrbleck bei Bahrenburg durfte man um 1859 in den Zwölften den Kehricht nicht vor die Tür werfen. Die Regel galt dort für die ganze Festzeit um den Jahreswechsel.

Hast du von einem Besen geträumt?Die Bedeutung im Traum, auf Night Symbols

Warum es in der Natur passiert

Vor dem elektrischen Licht fegte man abends im Schein von Kerze oder Öllampe. Eine naheliegende Erklärung für die Regel: Kleine Dinge wie Münzen, Knöpfe oder Nadeln übersah man dabei leicht und kehrte sie mit hinaus, bei Tageslicht fand man sie eher wieder.

Was der Volksglaube sagt

Biesenthal (Brandenburg), 1891

Nach Sonnenuntergang soll man keinen Kehricht über die Türschwelle bringen.

Quelle: H. Prahn, Glaube und Brauch in der Mark Brandenburg, Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Jg. 1 (1891), S. 188, Nr. 7. Seite ansehen

Melleck (Berchtesgadener Land), 1901

Wer alles, was im Weg liegt, zur Tür hinauskehrt, kehrt das Gute mit dem Bösen aus dem Haus; ordentliche Leute laden den Schmutz auf eine Schaufel und werfen ihn zum Fenster hinaus.

Quelle: Helene Raff, Volksmeinungen von der bayerisch-österreichischen Grenze, Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Jg. 11 (1901), S. 220. Seite ansehen

Fröhden (Brandenburg), 1899

Am Abend wird nichts mehr verborgt oder verkauft.

Quelle: Paul Otto, Gebräuche und Aberglauben aus Fröhden, Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Jg. 9 (1899), S. 444, Nr. 41. Seite ansehen

Wehrbleck bei Bahrenburg, 1859

In den Zwölften darf man den Kehricht nicht vor die Tür werfen.

Quelle: Adalbert Kuhn, Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen, Th. 2 (1859), Th. 2, S. 113, Nr. 338. Seite ansehen

Zum Nachdenken

Was möchtest du am Abend lieber bei dir behalten, statt es noch vor die Tür zu tragen?